St. Marien

Die altehrwürdige Kirche in Wathlingen blickt auf eine lange Tradition zurück. Die erste urkundliche Erwähnung trägt die Jahreszahl 1322 . Der Ort selbst ist 300 Jahre älter. Deren erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1022. Ständige Um- und Anbauten sowie Restaurierungsarbeiten von 1350 bis in die heutige Zeit wurden immer wieder nötig. Das beweist, dass sie seit eh und je den Mittelpunkt des örtlichen Geschehens bildet.

 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde ein Teil der Kirche baufällig, darunter auch der Glockenturm. Die Renovierungsarbeiten dauerten mehrere Jahre, bedingt durch die Wirren des 30-jährigen Krieges. 1704 konnte in einem Festgottesdienst auch der neue, breite Dachreiter, der die beiden Glocken enthält, eingeweiht werden. Diese beiden Stahlgussglocken wurden am 22.12. 1974 durch die vier bronzenen Glocken ersetzt, die nunmehr die Gläubigen zum Gottesdienst rufen. Die Wetterfahne trägt auf dem Dachreiter unter dem Kreuzzeichen den Hahn als Symbol des Hahnes, durch den Petrus seine Schwäche erkannte.

Betritt man die Kirche, so fällt der erste Blick auf den Altar. Ein qualitativ hochwertiger dreiteiliger Schnitzaltar aus der Zeit um 1460 zeigt im Mittelrelief die Anbetung der Könige, in den Flügeln die Figuren der zwölf Apostel. Auf den bemalten Außenseiten sind Verkündigung , Geburt, Heimsuchung und Beschneidung dargestellt. Ein restauriertes Kruzifix aus dm frühen 16. Jahrhundert – wahrscheinlich eine fromme Stiftung – wird auch heute noch bei kirchlichen Festen der Gemeinde voran getragen.

 

Wendet man sich um, so sieht man auf die Orgel in der Empore. Der wertvoll kräftig gegliederte Barockprospekt trägt die Jahreszahl 1707 mit dem Wappen des Stifters, des Patrons „von Lüneburg“. Die Orgel selbst ist neueren Datums. Sie vermittelt einen hervorragenden Klang, der die Gemeinde immer wieder erfreut.

 

Die Wände unserer Kirche wurden im Laufe der Zeit mehrfach übermalt. Dadurch sind wertvolle Gemälde und Verzierungen übertüncht. Seit 1951, verstärkt seit 1997 wurden gotische Wandmalereien frei gelegt. Es handelt sich um Rankenkarabesken mit kleinen figürlichen Darstellungen. Zum Teil sind auch „Fabelwesen“ und vierbeinige, katzenartige Wesen dargestellt. Diese Malereien stammen vermut- lich aus dm 15. Jahrhundert (um 1460).

Drei Epitaphien (Inschrifttafeln) zieren unsere Kirche. Das älteste Epitaph nennt die Jahreszahl 1582, das mittlere 1586 und das jüngste 1619 . Die Grabinschriften berichten von den Herrscherhäusern der „von Offensen“ und „von Dageförde“. Auch diese Epitaphien wurden zwischenzeitlich restauriert.

 

Aus der Zeit vor 1695 ist über die Kirche zu Wathlingen nur wenig bekannt. Das liegt mit Sicherheit daran, dass 1695 eine Feuers-brunst den Großteil des Dorfes, darunter auch das Pfarr- und Witwenhaus, vernichtete. Zwei der alten Kirchenrechnungsbücher aus den Jahren 1574 bis 1614 und von 1614 bis 1639 sind erhalten geblieben. Geschrieben mit einer Handschrift aus dem 14. oder 15. Jahrhundert.
Seit Bestehen der Kirche sind ihr immer wieder Schenkungen gemacht. Besonders die adligen Familien haben der Kirche im Laufe der Zeit Geld, Naturalien und Ländereien vermacht. Etliches Inventar stammt aus anonymen Stiftungen, so ein Altarleuchter und andere kunsthistorisch wertvolle Altargeräte. Die 1901 gestifteten bunten figürlichen Kirchenfenster im Chor und die Schenkung einer neuen Orgel 1907 von Baron Alfons von Lüneburg sind besonders zu erwähnen.

 

Eine Festschrift, die aus Anlass der 300jährigen Wiederkehr der Renovierung von 1704 erschienen ist, schließt mit dem Wunsch : Mögen nach Gottes Willen noch weitere Jahrhunderte des Segens geschenkt sein der Kirche zu Wathlingen.

 

Text: Klaus Klingberg, Wathlingen. Zugrunde liegt vor allem der Artikel von Hans-Wilhelm von Reden mit Bezug auf Heinrich Pröve anlässlich der 975-Jahrfeier der Gemeinde Wathlingen in der Celleschen Zeitung vom 30.10.1997. Dieser ist auch abgedruckt in dem Heft "Kirche St. Marien zu Wathlingen", erarbeitet von Beate Kühn, Wathlingen.

Fotos: Thäsler